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Friesetal
Schildberg

Geographie:
Wasserscheide zwischen Adler/Elbe: Friese,
Zohse, March. Im Westen eingegrenzt durch die Ausläufer des Adlergebirges,
die Osteingrenzung bildet das Altvatermassiv
(Schönauer, Weisswasser Berge, Tscheschel). Der Hambalek-Sattel bildet
die südöstlichste Eingangspforte, gegen
Norden (die böhmisch-mährische Grenze) ist das Tal offen. Quer zum
Nord-Südverlauf des Tales besiedelte und
bewaldete Seitentäler.
Mittlere Seehöhe: 510 m
Haushaltungen: 2295
Einwohner: 1880= 10512
1890= 9634 1900=
8729 1910= 8188 1920=
6177 1930= 6248
1939= 6810
Geschichte:
Im Jahre 1178 durch Urkunde König Wenzel I.
ins Land gerufene deutsche Siedler, Leben garantiert nach germanischem Recht.
Das Tal vom Süden her besiedelt (1280)
Errichtung der Burg in „SYLPERK“ durch Herren von Sternberg und Hohenstein,
1517 jedoch verödet. Erste
Besiedlungsquelle: Friese, Niederheroltic und Heroltic (Rothwasser 1397).
Während der Hussitenkriege verödet und
keine neue Dorfgründung. Ab 1530 zweite Besiedlungswelle im nördlichen Tal.
Zentrum: die Glashütte in Lenzhof (Schürer
von Waldheim). Der Niedergang der Glashütte und der 30jähr. Krieg
bringen abermals Verödung (1630,1639). Stärkstes
Auftreten der Pest um 1700 bis 1705, besonders im südlichen Tale.
Ganze Ortschaften niedergebrannt. Durchzug
und Plünderung von preußischen Truppen in den zwei schlesischen Kriegen.
Keine größere Heimsuchung im
„Kartoffelkrieg“. Truppendurchzug 1866 ohne größere Schäden.
Industrialisierung um die Jahrhundertwende,
wirtschaftliche Blüte. Verarmung im ersten Weltkrieg
(Kriegsanleihe, Verlust von Absatzmärkten,
Weltwirtschaftskrise) Verschärfung des Volkstumskampfes.
Einzug der deutschen Truppen (Sept. 1938)
von Mittelwalde her, abermaliger Niedergang im zweiten Weltkrieg,
russische Besetzung vom Süden her, Plünderung,
Aussiedlung 1945-1946.
Wirtschaft/Industrie:
Land-, Forstwirtschaft, Handel, Verkehr,
Industriehandwerk, öffentl.-priv. Dienste, Webereien, Bürstenerzeugung,
Färbereien, Ziegeleien, Holzindustrie,
Zementwaren, - und Handwaren, Heimarbeit.
Schulisches:
Rothwasser (Volks- und Bürgerschule- erste
Landbürgerschule) Schildberg, Grundschule, später Bürgerschule
und Landwirtschaftsschule. Rückschlag in
der Schulentwicklung ab 1919.
Vereine:
Bund der Deutschen Nordmährens, Deutscher
Kulturverband, Zahlreiche Männer- und Frauengruppen, Jugendgruppen,
Gesangs-, Musik-, Theatervereine,
Schulvereine, Feuerwehr und Veteranenvereine.
Verkehr:
Mit dem Bau der Kaiserstraße (1865) erhält
das Tal Anschluss an die Hauptstraßen des Landes. Anschluss an das
Bahnnetz mit dem Bau der Lokalbahn 1899.
Nachrichtentechnische und postalische Erschließung bis zur
Jahrhundertwende. Busverbindung Grulich-
Hohenstadt ab 1938. Geplante Autobahn Breslau- Wien führte durch
das nördliche Tal (nicht verwirklicht).
Parteien:
Deutsche Sozialdemokraten, Bund der
Landwirte, Deutsche Christlichsoziale, Sudetendeutscher Wahlblock,
Sudetendeutsche Partei, Kommunisten,
Tschechische Parteien.
Ortschaften
Mährisch-Rothwasser: (Cervena Voda)

Der Name stammt von eisenerzhaltigem Boden, der gelegentlich das
Wasser rot färbte.
Wappen: stilisiertes Kleeblatt mit "R"
im Zentrum, 1647.Gerichtsbezirk Schildberg, polit. Bezirk
Hohenstadt. Einwohner im Jahre 1939:
2324 Haushalte: 800
Erste Holzkirche urkundlich 1539, 1686 Schönau
wird eingepfarrt. 1929 Bau der alt-katholischen Kirche.
1875 erste Landbürgerschule Mährens. 1833 war die
Schule zweiklassig.1919 Bau der tsch. Minderheitenschule, 1938
Auflösung.
Bukowitz (Bukovice)
Von Buche, vom Herrschaftsnamen Boskowitz?
Mit Wappen( 2 Pflugschare mit Blumen von 1699) Erste Erwähnung 1530.
Gerichtsbezirk Schildberg, polit. Bezirk
Hohenstadt. Etwa 380 ha groß, davon 3 ha Wald. Reihendorf, gelegen an der
nordöstlich verlaufenden Anschlussstrasse
Schildberg- Hambalek. Überwiegend Landwirtschaft. Grenze an Frieser und
Schreibendorfer Gemarkung, von den Tschechen
nach Schreibendorf eingemeindet. Einwohner 1939 = 325 Häuser: 82 .
Bewohner waren zunächst Fuhrleute, 1735
Loskauf von der Robot der Grundherrschaft. Nach dem 1. Weltkrieg als Gemeinde
ausgelöscht. 1938 wieder selbständiges Dorf,
kirchlich zu Schildberg gehörig. 1861 erste Schule, nach 1918 Einrichtung
einer tsch. Minderheitenschule. Überwiegend
Landwirtschaft, keine direkte Bahnverbindung, jedoch Verkehrsknotenpunkt
an der „ Kaiserstraße“ Troppau- Prag-
Landesgrenze.1840 eigene Post.
Friese (Brezna)

Birke, vom Friesbach, Frimerdorph?
Gerichtsbezirk Schildberg, polit. Bezirk Hohenstadt, Wappen mit Pflugschar mit
sechseckigem Stern und der Jahreszahl 1669.
Etwa 400m über dem Meeresspiegel, lang gestrecktes Reihendorf mit etwa
522 ha. Einwohner: 1939 = 457 Häuser:
77 Haushalte: 147
Besiedelt schon um 1390, zählt zu den
ältesten Dörfern. Entstanden aus dem Meierhof Granitz gehörend zur
Gutsherrschaft
Eisenberg. 1753 Auflassung des Meierhofes,
die Gutarbeiter erwerben die Grundstücke. So entstand Friesehof.
Als Rest blieb s ´ Höfla“. 1786 hatte es
einen Ziegelofen, 1907 eine Molkereigenossenschaft 1943 wurde Friesedorf
und Hof eingemeindet zu Friese.
Fortschrittliches Bauerndorf ohne nennenswerte Industrie. Zuständig im
Kirchenwesen war Schildberg. Um 1833 eine
erste Schule. Kein direkter Bahnanschluss. Bezirksstraßenanlieger an der
Strecke Grulich- Schildberg und Anschluss an
die „Kaiserstraße“. Direkte Busverbindung nach Grulich und Schildberg und
Hohenstadt.
Herautz (Heroltice)

Der Ortsname stammte aus Herolt Germanum,
Heroltsdorff. Wappen: Herz mit Sprießender Blume und Säge etwa um 1669.
Gerichtsbezirk Schildberg, polit. Bezirk
Hohenstadt. Größe 619 ha, Seehöhe zwischen 400 und 700 m. Das Dorf liegt am
südlichen Teil des Tales (ein nach Westen liegendes
Seitental).
Mit Gemarkungsgrenzen zum Schönhengstgau, gute Fernsicht über das
Tal.
Typisches Waldhubendorf, Einwohner 1939 =
573 Häuser: 158 Erstmalig erwähnt 1398, also zugleich mit Friese
und
Schildberg besiedelt, erste Siedler waren
Kohlenbrenner.
Ein Erbgericht mit 74 Metzen und Bleiche und 48 „ Pauerngründt“
Flachsanbau, viel Kleinviehhaltung.
Der Ort
war Butterlieferant für das Friesetal. Kirchenbau 1718 „ Hl. Johannes“,
Errichtung
des Pfarrhauses 1853, des Friedhofes 1834.
Schulhausbau 1845 als zweiklassige Volksschule, 1880 dreiklassige und 1922
wieder zweiklassige Volksschule.
Überwiegend Land-
und Forstwirtschaft. Raiffeisenkasse seit1928. Der Ort liegt an der alten
Bezirksstraße
Schildberg., Station der 1938 errichteten
Buslinie Grulich, Schönberg, Hohenstadt.
Mährisch Karlsdorf (Moravsky Karlov)

Gerichtsbezirk Schildberg, polit. Bezirk
Hohenstadt. Wappen: Goldener Becher mit Jahreszahl 1641.
Zwischen 550- 750 m ü.
M. erstreckt sich das Dorf.
Die Kirche bildet den
Mittelpunkt, etwa 683 ha nutzbares Ackerland, später verstaatlichter Waldbesitz
etwa 1500 ha.
Einwohner 1939 = 642 Häuser: 142
Haushalte: 180
Jüngstes Dorf des Tales, besitzt ausgiebige
Quellengebiete mit hohem Radiumgehalt.
Errichtung der Johannes-Statue um 1623,die sagenumwoben war.
1776 kleines
Holzkirchlein, 1792 Bau der Kirche .Überwiegend Industrie und Handwerk.
Leinen-Zwirnindustrie, Bürstenerzeugung. Nur 22 %
Land- und Forstwirtschaft.
Viel Beschäftigung auch in den Nachbardörfern. Ab
1883
Bau der Schule, die bis 1918 vierklassig,
nach 1918 zweiklassig war, tsch. Minderheitenschule.
1880 Gründung des Deutschen
Schulvereins.
Verbindungsstraßen in die Nachbardörfer
waren vorhanden, Anschluss an die Reichsstraße über
Weißwasser oder
Schreibendorf.
Mährisch Schildberg (Silperk Stity) 
Ehemals Gut mit Sitz der Gutobrigkeit, Name
stammt von der schildförmigen Kuppe des Standortes.
Wappen: achteckiger Stern
aus dem Jahr 1638.
Eigener Gerichtsbezirk, polt.
Bezirk Hohenstadt. Der Ort liegt am Südende des Friesetales und gleichzeitig war
dort
die Sprachgrenze. Die Gemarkung lag
angrenzend an den Schönhengstgau, 467 m ü. M. Größe der Stadt etwa 1395 ha.
Einwohner 1939 = 1367 in 427 Haushalten.
Schildberg wurde 1624 erstmals urkundlich erwähnt,
im 30 jährigem Krieg
niedergebrannt,1643 von den Schweden geplündert,
1708 Brand
der fürstlichen Mühle, 1713-1715 von der Pest heimgesucht.1574 Stadtrechte.
Herrschaften waren die Herren von Sternberg,
danach die Fürsten von Liechtenstein. Schildberg
gehörte zur Diözese Olmütz. 1742 Holzkirche abgebrannt,
1809 Verlust
des Kirchenschatzes, 1889 Kirche abermals abgebrannt. Die Kirche war geweiht
auf den Namen Maria Himmelfahrt, 7
Altäre mit Orgel, Pfarrhaus wurde 1794 aus Stein erbaut.
Überwiegend Industrie und Gewerbe. So gab es
3 Mühlen, 1 Sägewerk, 1 Pappefabrikation,
2 Bürstenfabrikationen, 1
Zementfabrik,
1 Sparkasse, 1 Flachsbrechhaus und reges
Handwerk , sowie gute Gastronomie. Schildberg hatte
eine ungünstige Verkehrslage, da es am Endpunkt des Tales lag,
Bezirksstraßen nach Hohenstadt und Schönhengstgau, sowie in das
Friesetal.
Ab 1900 einen Bahnanschluss, ab 1938
Busverbindung nach Hohenstadt und Grulich.
Schönau (Sanov)
Schule
Schönau
Der Ortsname stammt aus der Au des
Niederorts.1611 Wappen: Pflugschar mit Blumen. Gerichtsbezirk Schildberg,
polt.
Bezirk Hohenstadt. 495- 720 m ü. M.
Gelegen im
Nordöstlichsten Seitental nach Osten auslaufend am westlichen Fußende des
Ebereschbergmassiv.
Typisches Waldhubendorf,
parallel zur böhmischen- mährischen Grenze, an die Gemarkung Erlitz angrenzend.
Größe etwa 663 ha, Einwohner: 1939 = 535
Häuser: 120 Haushalte: 182 Ersts urkundliche Erwähnung 1481,
Besiedlung
1581 abgeschlossen.
Große Armut um 1630, 1639 von
Soldaten besetzt und größere Verwüstungen durch diese. Wohlstand mit dem Einzug
der Industrie. 1938 von tschechischen
Soldaten besetzt, 8.5.1942 Einmarsch der Russen.
Das Dorf wurde seit der
Gründung zu Rothwasser eingepfarrt.
1780 Errichtung einer Kirche „
Maria Himmelfahrt“. Errichtung der ersten Schule 1877, zweiklassig bis 1943.
Überwiegend Industrie und Handwerk. Sitz der
nordmährischen Bürsten- und Pinselindustrie,
Postamt 1889, Sparkasse 1896. Die
alte Poststraße kreuzte den Ort um nach Grulich zu kommen.
Mährisch Weißwasser (Bila Voda)

Gerichtsbezirk Schildberg, polit. Bezirk
Hohenstadt. Der Ort lag nordsüdlich zunächst dem Friesebach folgend,
nördliche
Abzweigung Richtung Karlsdorf, Flurgrenze bis Schönau.
420 m ü. M. Größe etwa 591 ha, Einwohner: 1939 = 519 in 179 Haushalte.
Der Ort wurde 1593 besiedelt. 1890 Bau eines
Schulgebäudes mit 2 Klassen, eine tsch. Minderheitenschule.
Der Ort gehörte zur Pfarrei Lenzhof, später nach Rothwasser.
Überwiegend Industrie, Fabriken mit Bleiche und Appretur, Garnveredlung,
Färberei, 1 Sägewerk und 1 Mühle.
Bahnanschluss über die Station Weißwasser- Karlsdorf.
Lenzhof (Hof-Dorflenz) Mlynice (von
Mühle-Lenice)
Gerichtsbezirk Schildberg, polit. Bezirk
Hohenstadt. Ursprünglich aus einer Häusergruppe um
das „Schlössel“ entstanden,gelegen in der Mitte des Tales mit
stadtähnlicher Anlage,
aus welchem sich das Dorf nach Norden und entlang der
Friese erstreckte.
Meereshöhe: 400 m, berühmter Ausflugsort
(Bergschänke) Einwohner: 1939 = 429 in 73 Häusern und
158 Haushaltungen. 1562
erste Erwähnung, jedoch der Ursprung lag aus der
Glashütte
des Dominik Schürer von Waldheim, 1563 erstmalig von der Pest
heimgesucht.
Starke Tschechische Zuwanderung bis 1939.
Nach dem ersten Weltkrieg Dorf- und Hoflenz zu Lenzhof zusammengelegt.
1943 nach Rothwasser eingemeindet. Zweiklassige
Volksschule,wird von den Tschechen aufgelassen,
Lenzer Kinder besuchen die
Schule in Weißwasser und die weiterführende
Bürgerschule
in Mährisch- Rothwasser. 1598 erster Holzkirchenbau, 1642 Kirche
unter dem
Namen „ Maria Hilf“ neu eingeweiht. 1773
neue Kirche aus Stein. Die Einwohner arbeiteten in der Landwirtschaft
und in der
Industrie. Bedeutender Fremdenverkehr, schöne Tallage
und gute Wanderwege. Der Ort lag an der alten Poststraße, guter Anschluss an die
durch das Tal führende Reichsstraße.
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